Choosing a Service Format That Actually Fits

12. März 2025Technische Normen8 Min. Lesezeit
Stahlwasserbau mit hydraulischen Verschlussorganen im Hamburger Hafen

Die DIN 19704 legt die Berechnungsgrundlagen für hydraulische Anlagen im Stahlwasserbau fest. An einem konkreten Pumpwerksprojekt in der Hamburger Speicherstadt zeigt sich, wie Durchflussmengen, Druckverluste und Materialermüdung normgerecht nachgewiesen werden – und warum die Wahl des Serviceformats dabei entscheidend ist.

Warum die Norm so selten vollständig angewendet wird

Viele Ingenieurbüros greifen bei hydraulischen Berechnungen auf vereinfachte Verfahren zurück. Die DIN 19704 verlangt jedoch eine detaillierte Betrachtung der instationären Strömungsvorgänge, insbesondere bei Schiebern und Klappen, die unter Tideeinfluss arbeiten. In der Praxis führt das oft zu Abweichungen zwischen Berechnung und Messung – ein Risiko, das bei Ausschreibungen nach VOB selten thematisiert wird.

Das Pumpwerk im Hamburger Hafen, das wir 2023 begleitet haben, war ein typischer Fall: Die ursprüngliche Planung arbeitete mit stationären Ansätzen. Erst die Nachberechnung nach DIN 19704 zeigte, dass die Druckstöße bei Schnellschluss der Klappen die zulässigen Werte um 18 % überschritten. Die Korrektur erforderte eine Anpassung der Steuerungslogik und zusätzliche Dämpfungselemente.

Drei Parameter, die in der Praxis oft unterschätzt werden

Die Norm definiert klare Grenzen für die Materialermüdung, die aus zyklischen Belastungen resultiert. Bei Stahlwasserbauten im Tidebereich sind das oft mehrere tausend Lastwechsel pro Jahr. Wer hier mit pauschalen Sicherheitsbeiwerten arbeitet, riskiert Rissbildung an Schweißnähten – ein Schadensbild, das wir bei zwei älteren Anlagen im Hafenbecken A dokumentiert haben.

Ein zweiter Punkt ist die Kavitationsgefahr an Verschlussorganen. Die DIN 19704 schreibt vor, dass der Druckabfall über Schieber und Klappen so zu dimensionieren ist, dass der Dampfdruck des Wassers nicht unterschritten wird. In der Speicherstadt haben wir das an einer 2,5 m breiten Stemmtor-Anlage überprüft und die Geometrie der Dichtleisten angepasst.

Drittens: Die Temperaturabhängigkeit der Viskosität wird in den meisten Berechnungen vernachlässigt. Bei winterlichen Bedingungen kann die Viskosität des Hafenwassers um den Faktor 2,5 steigen, was die Druckverluste in den Rohrleitungen signifikant erhöht. Die DIN 19704 verlangt hier eine worst-case-Betrachtung – ein Aufwand, der sich bei der Auslegung von Pumpwerken direkt auf die Motorleistung auswirkt.

Wie ein normgerechter Nachweis in der Praxis aussieht

Der Ablauf beginnt mit der Erstellung eines hydraulischen Modells, das die Geometrie der Anlage, die Betriebszustände und die Randbedingungen (Tidehub, Grundwasserstand) abbildet. Für das Pumpwerk in der Speicherstadt haben wir ein 1D-Modell inklusive Druckstoßberechnung nach dem Charakteristikenverfahren erstellt. Die Kalibrierung erfolgte anhand von Pegelmessungen über vier Wochen.

Die Ergebnisse fließen in einen Nachweisbericht, der die Einhaltung der Grenzwerte für jede Betriebssituation dokumentiert. Dazu gehören: maximale Druckamplitude, minimale Druckreserve gegen Kavitation, Anzahl der zulässigen Lastwechsel sowie die Verformung der Verschlussorgane unter Volllast. Der Bericht wird von einem Prüfingenieur für Stahlwasserbau gegengezeichnet – eine Voraussetzung für die Abnahme nach VOB.

Der zeitliche Aufwand für einen vollständigen Nachweis liegt bei etwa 120 bis 160 Stunden für ein mittelgroßes Pumpwerk. Das ist mehr als viele Auftraggeber erwarten. Aber die Erfahrung zeigt: Wer hier spart, zahlt später oft doppelt – sei es durch Nachbesserungen während der Bauphase oder durch erhöhte Wartungskosten nach der Inbetriebnahme.

Serviceformate, die den Unterschied machen

Nicht jedes Projekt benötigt einen vollständigen Nachweis nach DIN 19704. Für kleinere Anlagen oder Modernisierungen reicht oft eine abgestufte Berechnung, die sich auf die kritischen Komponenten konzentriert. Wir bieten daher drei Serviceformate an: die vollständige Normberechnung, die fokussierte Teilberechnung (z. B. nur Druckstoß oder Kavitation) und die Plausibilitätsprüfung bestehender Nachweise.

Die Wahl des Formats hängt vom Projektstadium und den Anforderungen des Bauherrn ab. In der Speicherstadt haben wir mit einer Teilberechnung begonnen, die die Druckstoßproblematik identifizierte. Erst in der zweiten Phase wurde der vollständige Nachweis erstellt, um die geänderte Steuerungslogik abzusichern. Das sparte Zeit in der frühen Planungsphase und reduzierte das Risiko von Fehlinvestitionen.

Für Auftraggeber, die regelmäßig mit wasserbaulichen Projekten zu tun haben, empfehlen wir einen Rahmenvertrag, der die wiederkehrende Prüfung von Nachweisen abdeckt. Das ist besonders bei Hafenbetreibern üblich, die mehrere Anlagen in unterschiedlichen Ausbaustufen betreiben. Die Kosten sind kalkulierbar, und die Qualität der Nachweise bleibt über die Jahre konstant.

Frau Prof. Susanna Hagen

Frau Prof. Susanna Hagen

Leitende Ingenieurin für Wasserbau und Hafeninfrastruktur

Prof. Hagen verfügt über 20 Jahre Erfahrung in der Planung und Genehmigung von Hafenanlagen nach WHG und DIN 19700. Sie leitet das Fachteam für hydraulische Berechnungen und industrielle Sicherheitskonzepte im Hamburger Hafen. Ihre Expertise umfasst die wasserrechtliche Prüfung von Tidehäfen und die Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen nach VOB.

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